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Samstag, 20. Oktober 2018

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STARS on Tour


Stars präsentieren ihr neues Album "The North"

Alle Termine: 10.12.2012 | Hamburg | Uebel & Gefährlich
11.12.2012 | Berlin | Heimathafen
12.12.2012 | Frankfurt | Batschkapp
17.12.2012 | Köln | Luxor
18.12.2012 | München

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Im Gespräch: Gisbert zu Knyphausen

Es ist Sommer, der Geruch von Kaffee hängt in der Luft, die Fenster sind weit geöffnet. Gisbert zu Knyphausen sitzt in seiner neuen Berliner Wohnung auf dem Sofa und freut sich, berieselt von einem Tennisspiel im Fernsehen, über die ersten Sonnenstrahlen. Seit knapp vier Wochen steht sein neuester Geniestreich „Hurra! Hurra! So nicht“ in den Regalen der einschlägigen Plattenläden und virtuellen Musikbeschaffungsplattformen. Gerade die Koffer ausgepackt und den Tourschweiß von der Stirn gewischt, steht er uns Rede und Antwort rund um das Mysterium Gisbert zu Knyphausen.

Kannst Du bezüglich der Veröffentlichung des neuen Albums schon ein erstes Resume ziehen?

Ich hatte keine besonderen Erwartungen was die Veröffentlichung angeht. Ich bin zufrieden mit der neuen Platte und das ist die Hauptsache. Es freut mich, dass auch diese Platte auf soviel Resonanz gestossen ist und auf den letzten Konzerten unglaublich viele Menschen waren.

Stehen dieses Jahr denn noch weitere Konzerte an?

Eine große Tour habe ich gerade hinter mir. Seit der Veröffentlichung vor 1 1/2 Monaten habe ich mit meiner Band 24 Konzerte gespielt und die waren alle sehr schön. Den Juni über ist Pause angesagt und dann spielen wir auf ein paar Festivals. Anfang November wird es dann noch eine längere Tour geben.

Stört es Dich eigentlich manchmal nur der “kleine Bruder” (also der Supportact) zu sein oder empfindest Du das als ganz angenehm so ein bisschen an die Hand genommen zu werden?

Ich habe mich über jede Gelegenheit gefreut mal im Vorprogramm unterwegs zu sein mit Olli Schulz, Nils Koppruch, Kettcar oder Clickclickdecker und mittlerweile ist es ja eher so, dass ich in der Position bin “kleinere Brüder” mitnehmen zu können, wie die tollen “Schöftland” aus der Schweiz oder den “Moritz Krämer” aus Berlin. Egal wie, es macht mir einfach Spass mit anderen Bands/Songwritern die Bühne zu teilen.

Apropos an die Hand nehmen. Das Grand Hotel schwärmt ja regelrecht von Dir. Hat man manchmal etwas Angst dadurch zu sehr diesen Stempel “deutschsprachiger Indierock” aufgedrückt zu bekommen?

Darüber denke ich nicht nach und das ist auch vollkommen unwichtig. Die Menschen vom Grand Hotel haben mir in jeder Hinsicht viel Unterstützung gegeben und dafür bin ich Ihnen dankbar. Die sind super.

Ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit: Du hast in den Niederlanden Musiktherapie studiert; hat das dich und deine Art Musik zu machen beeinflusst?

Beeinflusst hat mich das Studium bestimmt, sowie alles andere im Leben mich auch in meiner Art Songs zu schreiben beeinflusst hat. Ich habe aber keine Lust meine Art Musik zu machen genau zu analysieren, das können andere machen.Das Studium war sehr interessant, aber ich habe irgendwann gemerkt, dass ich nicht als Therapeut arbeiten möchte. Musik zu machen und Musik zu hören hat ja auch immer was therapeutisches.

Wo gerade das Wort „therapeutisch“ fällt: Wir hatten neulich eine Diskussion darüber, ob Einsamkeit etwas anderes ist als alleine sein. Und ob man durch häufiges Umziehen nicht in gewisserweise die Einsamkeit herausfordert. Was meinst Du? Suchst Du manchmal vielleicht sogar die Einsamkeit, die Du so oft besingst?

Puuh, was stellt ihr denn für Fragen? Ich finde aber das Einsamkeit und Alleine sein nicht dasselbe ist. Einsamkeit ist für mich ein negativ besetztes Gefühl, das Alleine sein ist einfach ein Zustand/eine Situation in der man sich befindet, in der manche Menschen sich wohl fühlen und andere überhaupt nicht. Ich bin ganz gerne alleine, muss mich aber gleichzeitig in der Nähe von Menschen wissen, die ich gerne mag. Häufiges Umziehen und Einsamkeit hängen für mich aber nicht wirklich zusammen. Man kann auch sein ganzes Leben in seinem Heimatdorf verbringen und sich sehr, sehr einsam fühlen. Ich besinge die Einsamkeit weil ich mich manchmal einsam fühle. Aber ich suche sie nicht auf. Ob ich weiterhin viel umziehe oder nicht hat damit glaube ich nicht soviel zu tun.

Fotograf: Dennis Williamson

In einem Bericht über Dich hieß es mal, dass Du erst dann mit dem Schreiben von Texten angefangen hast, als es Dir so richtig mies ging. Bist du in traurigen Momenten kreativer?

In traurigen Momenten bin ich mehr bei mir und lasse der Kreativität dadurch mehr Raum und Zeit sich zu entfalten. Ausserdem habe ich dann das Bedürfnis, die Traurigkeit abzuschütteln und das geht ganz gut wenn man Lieder darüber schreibt. Wenn es mir gut geht, stürze ich mich ins Leben und nehme mir weniger Zeit Gitarre zu spielen und Texte zu schreiben.

Dem Abendblatt hast du einst gesagt: “Ich denk einfach sehr viel nach” … “Und das nervt.” Es gibt diesen Spruch, der auch im Berliner Dom an der Decke steht… “Und selig sind die geistig Armen”. Stimmt das? Und: Würdest Du tauschen wollen? Etwas weniger nachdenklich, ein Hauch oberflächlicher und dafür etwas seltener melancholisch?

Ich kann nicht mehr tauschen. Also ist es schwachsinnig darüber nachzudenken. Ich denk ja eh schon genug nach. Aber manchmal nervt´s schon ein bisschen.

Und jetzt endlich zum großartigen neuen Album. Gab es dafür eigentlich eine Deadline?

Ich habe mir selbst eine Deadline gesetzt, damit ich mal in die Puschen komme. Es gibt immer wieder Tage an denen ich das Gefühl habe, dass schon alles gesagt ist, aber meistens stelle ich später fest, dass das gar nicht stimmt. Aber generell ist es so: Wenn mein Kopf gerade leer ist, dann schreibe ich eben nichts. Und dann warte ich bis wieder was drin ist, im Kopf. Ob das jetzt morgen ist oder erst in 5 Jahren. Dann gibt es eben erstmal keine neuen Lieder von mir.

Verstehst Du Dich eigentlich eher als Literat oder Musiker? Komponist oder Textdichter?

Ich verstehe mich als Liederschreiber. Die Texte für die Lieder sind für mich untrennbar mit der Musik verbunden. Es sind eben Songtexte und keine Gedichte, weil ich sie immer über eine musikalische Idee schreibe und nie getrennt davon. Die Musik fällt mir dabei immer sehr viel leichter, das Texten ist Arbeit.

Du sagtest mal, dass Du nicht nur eigene Erlebnisse und Gefühle in Deine Lieder einbaust, sondern auch kleine Geschichten, die manchmal fast etwas romanhaftes haben. Entstehen die komplett in Deiner Fantasie oder durch präzise Beobachtung der Umwelt? Hat sich schon mal jemand beschwert, weil er sich in einem Deiner Texte wiedererkannt hat?

Bis jetzt hat sich noch niemand beschwert (Anm. der Redaktion: ein breites Grinsen). Die Texte sind immer eine Mischung aus meiner Fantasie und den realen Erlebnissen/Ereignissen. Ich schreibe ja keine Autobiographie, sondern Lieder. Man sollte niemals den Autoren mit seinen Texten gleichsetzen!

Stichwort, Herrenmagazin: Du wirst ja als Gastsänger auf dem neuen Album zu hören sein …

Deniz hat mir den Song vorgespielt und gefragt ob ich Lust dazu hätte, mitzusingen. Ich fand den Song geil und hab eh immer Lust irgendwo mitzusingen, also hab ich zugesagt. Ich habe die fertige Version leider noch gar nicht gehört, bin gespannt darauf. (Anm. der Redaktion: Das neue Herrenmagazin Album erscheint im Herbst, ein Videointerview mit Sänger Deniz in Kürze auf Stereopol).

Das Fazit: Noch immer lauschen wir stumm staunend täglich dem neuen Album und können nur immer wieder feststellen, dass es keiner weiteren Worte des Lobes bedarf, dass man Gisbert zu Knyphausen einfach hören und fühlen muss, damit man zur Erkenntnis kommt, dass an ihm ein ganz, ganz großer Liedermacher verloren gegangen ist.

weitere Informationen:

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