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Stille Pracht: Flying Lotus – “Until The Quiet Comes”

Flying Lotus – “Until The Quiet Comes”
VÖ: 28.09.2012 – Warp

Flying Lotus ist der Künstlername des am 7. Oktober 1983 in Winnetka/Los Angeles geborenen Steven Ellison, Großneffe von Jazzpianistin Alice Coltrane, Frau des Monuments John Coltrane. Der, naheliegenderweise, von Jazz, aber auch HipHop der Dilla´schen Machart beeinflusste Multiinstrumentalist veröffentlicht diese Tage mit „Until The Quiet Comes“ den Nachfolger zum nicht nur bei Kritikern beliebten Album „Cosmogramma“.

Bereits mit dem Albumartwork entführt FlyLo in eine andere Welt. Eine Welt, die ähnlich mysteriös, verschwommen und farbintensiv ist, wie die eines Wong Kar-Wai  -beiden scheint es um die Wiedergabe von Gefühlsmomenten zu gehen- und ebenso traumverhangen. Als verfilmte er die Jazzkellerstreifzüge eines Murakami-Romans.

„All In“ steht auf dem Vorhang in diese Welt und der Track fährt ebenso sacht beiseite, wie ein solcher. Dahinter empfängt nahtlos der Gesang Niki Randas. Ellison vereint auf „Until The Quiet Comes“ traumwandlerisch Sun-Ra´schen Spacejazz, das Erbe von Bop und Cool Jazz Musikern wie John Coltrane oder Miles Davis, inklusive dessen „Bitches Brew“ Experimentiervorliebe, mit elektronischen Bassmusikspielereien der Ninja Tune Bauart und Momenten reinster Popmelodien.

Das nächtliche und traumhafte Element zeigt sich auch in den Titeln, von „The Nightcaller“ über „Phantasm“, mit der wunderbaren Stimme von Laura Darlington, bis hin zum Closer „Dream to Me“. Und auch wenn es die Vocaltracks sind, die anfangs noch am besten im Kopf haften bleiben – allen voran der düstere Bassalbtraum „Electric Candyman“ mit Thom Yorke – so merkt man schnell, dass es die kurzen, manchmal fast jamhaften Tracks dazwischen sind, die Ellisons kompositorische Klasse erstrahlen lassen.

Wong Kar-Wai setzt seinen wunderschönen Bildern inhaltlich kontrastierende Elemente wie Einsamkeit, Verlust oder Gewalt entgegen. Bei Ellison sind es vornehmlich die Drums und der Bass, die den Hörer ein ums andere Mal aus der farbigen, schönen Synthiewelt reißen. Jedoch nur für Momente, bevor wieder die titelgebende Ruhe den Song umschließt. Gleichzeitig weisen diese Basselemente auch zurück auf den Weg, den Flying Lotus hinter sich gebracht hat: vom Beat getriebenen Instrumental-HipHopHead über immer komplexere, sehr jazzlastige Rythmen hin zu dem schwer einordenbaren Kümstler, der er jetzt ist. Und für dessen Status er in seinen Kreisen ebenso verehrt wird wie Radiohead bei ehemaligen Indiemädchen und -jungs. Der Vergleich funktioniert auch in sofern, als dass Thom Yorke sich schon lange zum Fan bekannt hat und sowohl auf dem letzten Album „Cosmogramma“ als auch auf diesem als Gastmusiker vertreten ist.

Mit Blick auf jenes Album zeigt sich zwar, dass auch Ellison das Rad nicht immer neu erfindet und die dort entwickelte Soundästhetik schlicht weiter führt. Aber was heißt schon schlicht bei einem Künstler diesen Formats?! Und so lange die Stagnation nicht Oasis-hafte Ausmaße annimmt (und das schreibt ein Oasis-Fan) ist das durchaus zu verkraften. So legen wir uns also auf unsere Betten und warten, dass die Ruhe kommt. Und das tut sie, mit der Regelmäßigkeit und Variation eines jeden Jazzmotives.

Flying Lotus – Putty Boy Strut (Until The Quiet Comes, new album out October 1st/2nd) from Warp Records on Vimeo.

Flying Lotus online
und auf Soundcloud.
Warp online.

Autor: Johannes Hertwig

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